Mitgliederversammlung mit klarem Appell
Wohnen ist Grundlage der Demokratie
Münster, 12. Juli 2026 – Die Mitgliederversammlung des DMB Mietervereins Münster und Umgebung e.V. am Freitag, den 10. Juli 2026, war mehr als eine reine Mitgliederversammlung: Sie war ein politischer Aufruf, eine Auseinandersetzung mit der Krise des Wohnens und ein Bekenntnis zu einer gerechten Gesellschaft. Mit einem eindrucksvollen Eröffnungsvortrag von Vorsitzendem Volker Jaks wurde die Veranstaltung zu einem zentralen Impuls für den Mieterschutz in Nordrhein-Westfalen.
In einer packenden und emotionalen Rede hob Jaks hervor: „Wohnen ist die Voraussetzung für Freiheit. Wohnen ist die Voraussetzung für Teilhabe. Und Wohnen ist die Voraussetzung für Demokratie.“ Mit diesen Worten rückte er die Wohnungskrise nicht nur in den Fokus der sozialen, sondern auch der demokratiepolitischen Debatte. Er warnte vor einer zunehmenden Entfremdung von der politischen Mitbestimmung: „Wer jeden Monat Angst hat, die Miete nicht mehr bezahlen zu können, denkt nicht an Demokratie – er denkt an Überleben.“
Die Zahlen belegen die Dringlichkeit: Laut aktueller Statistiken haben bereits 20 Prozent der Menschen in Deutschland Angst vor Wohnungslosigkeit. Doch, so Jaks, geht es nicht nur um Geld. Es geht um Würde, um Sicherheit, um das Gefühl, in der eigenen Wohnung zu Hause zu sein. „Wer vor einer Wohnungsbesichtigung mit zwanzig anderen Menschen steht, wird gemustert. Er verliert die Kontrolle über sein Leben. Das ist Demütigung“, sagte er. Und: „My home is my castle – dieser Satz gilt für viele Mieterinnen und Mieter längst nicht mehr.“
Mit einem Rückblick auf die Geschichte der Bundesrepublik zeigte Jaks, dass die Lösung nicht unmöglich ist. „1950 bis 1960 entstanden elf Millionen Wohnungen – fünf Millionen davon Sozialwohnungen. Das war keine Magie. Das war politischer Wille.“ Er erinnerte an die hohen Steuersätze, die Vermögenssteuern, den Lastenausgleich – Maßnahmen, die damals die Grundlage für sozialen Frieden und gesellschaftliche Stabilität waren. „Heute fehlt der politische Wille, nicht die Mittel“, betonte er.
Die Generalversammlung wurde zu einem lebhaften Austausch, in dem die rund 50 anwesenden Mitglieder mit Fragen, persönlichen Erfahrungen und konstruktiven Vorschlägen die Diskussion bereicherten. Die Themen reichten von der Notwendigkeit eines massiven sozialen Wohnungsbaus über den Schutz vor missbräuchlichen Eigenbedarfskündigungen bis hin zu einer gerechten Finanzierung durch eine stärkere Belastung von Vermögen und Kapital.
Ein besonderer Höhepunkt war die Neuwahl im Vorstand. Mit großer Zustimmung wurden Janka Goldschmidt und Thomas Holz in die Vereinsleitung aufgenommen. Damit ist der Vorstand nun wieder vollständig: Volker Jaks (Vorsitzender), Martin Stark (stellvertretender Vorsitzender), Theodora Braun (Beisitzerin), Janka Goldschmidt (Beisitzerin) und Thomas Holz (Beisitzer). Die neuen Mitglieder bringen frische Energie und langjährige Erfahrung in der Bürgerbewegung und Wohnungspolitik mit.
Zum Abschluss der Versammlung würdigte der Verein langjährige Mitglieder: Mit Urkunde und Ehrennadel wurden Mitglieder geehrt, die sich seit 25, 40 und mehr Jahren für die Belange der Mieterinnen und Mieter engagieren. „Ihr Einsatz ist Vorbild für Solidarität, Beharrlichkeit und Mut“, sagte Jaks.
Die Mitgliederversammlung des DMB Mietervereins Münster und Umgebung e.V. hat gezeigt: Die Mitglieder sind nicht nur informiert – sie sind mobilisiert. Sie wissen: Die Wohnungskrise ist keine Naturkatastrophe, sondern eine politische Entscheidung. Und sie sind entschlossen, dafür zu kämpfen, dass bezahlbares Wohnen wieder zur Grundvoraussetzung einer freien und demokratischen Gesellschaft wird.
„Hartnäckig. Unbequem. Und gemeinsam.“ – So lautet die Devise des Vereins. Und sie wird in den kommenden Jahren weitergetragen.
